Was ist eigentlich Coaching?
Coaching ist ein gefragter Trend. Doch was macht ein Coaching erfolgreich und welche Werkzeuge braucht ein Coach? Diese Fragen beantwortet dieser Blogartikel und gibt erste Einblicke in das Thema.
💭Coaching - was verbirgt sich hinter dem Begriff?
Gerne starte ich Workshops zum Thema Coaching, indem ich bunte Bildkarten zur freien Auswahl auslege und dazu den folgenden Satz vervollständigen lasse: “Coaching ist für mich …”
„Vervollständige den Satz: Coaching ist für mich ...“
Die Antworten variieren dabei erfahrungsgemäß sehr stark, häufig fallen Ausdrücke wie Hilfe zur Selbsthilfe, Empowerment, Enablement, jemanden befähigen können oder die Unterstützung bei der Lösungsfindung. Typischerweise werden als Bildkarten für Coaching der Bergsteiger auf dem Weg zum Berggipfel, der Kompass mit einer Vielzahl an Richtungen oder der Schlüssel mit perfekter Passung für das Türschloss gewählt.
Viele Menschen assoziieren Coaching mit dem Bild des Kompasses als Sinnbild dafür, dass im Coaching eine Entscheidung für den richtigen Weg oder passenden nächsten Schritt gefunden werden soll.
Vielleicht hast du auch schon von einzelnen Coachingformen wie Systemisches Coaching, Business Coaching oder Aufstellungsarbeit gehört? Im Fitness- und Gesundheitsbereich sind Coaches ebenfalls sehr verbreitet: z.B. Sportcoaches, Schlafcoaches oder Ernährungscoaches.
Welche Antwort ist nun richtig? Da Coach in Deutschland kein geschützter Begriff ist, sind alle zuvor genannten Antworten korrekt und es jeder darf sich Coach nennen. Genau darum ist es auch so wichtig, sich bei der Auswahl des passenden Coaches an Zertifizierungen von anerkannten Instituten zu orientieren wie dem Deutschen Bundesverband Coaching e.V. (DBVC). Die Definition für Coaching vom DBVC lautet:
“Coaching ist die professionelle Beratung, Begleitung und Unterstützung von Personen mit Führungs-/ Steuerungsfunktionen und von Experten in Unternehmen/ Organisationen. Zielsetzung von Coaching ist die Weiterentwicklung von individuellen oder kollektiven Lern- und Leistungsprozessen bzgl. primär beruflicher Anliegen.“ - DBVC (2024)
💡Voraussetzungen für erfolgreiches Coaching
Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für ein Coaching ist die eigene Haltung. Damit meine ich nicht die Körperhaltung sondern die innere Haltung oder synonym auch das Mindset. Im Coaching geht es vor allem um Wertschätzung und Kommunikation auf Augenhöhe für eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Coach und Coachee.
Die Haltung zeigt sich dabei in folgenden Aspekten:
Rolle des Coaches: Der Coach sieht sich als Prozessbegleiter und Berater und unterstützt den Coachee bei der Lösungsfindung.
Lösungsorientierung: Wichtig im Coaching ist, dass der Coach sich nicht in die sogenannte Problemtrance des Coachees mit negativen Gedanken und Sorgen hineinziehen lässt, sondern stets den Blick zur Lösung richtet.
Ressourcenorientierung: Man geht im Coaching immer davon aus, dass der Coachee bereits alles zur Lösungsfindung in sich trägt und der Coach durch Fragen und Reflektion nur für einen Perspektivwechsel sorgt, damit der Coachee seine Ressourcen aktiviert.
Empathie als Schlüssel: Wie in jeder Beziehung ist Empathie eine Schlüsselkompetenz, um dem Gegenüber aktiv zuzuhören und empathisch auf das Erzählte zu reagieren. Damit schafft der Coach eine Atmosphäre, in der sich der Coachee sicher sein kann, dass er oder sie auch Sorgen und Bedenken äußern kann, ohne dafür bewertet oder verurteilt zu werden.
Vertraulichkeit & Verschwiegenheit: Alle im Coaching behandelten Themen werden vertraulich behandelt und benötigen einen geschützten Rahmen. Ein Coaching sollte daher immer freiwillig sein.
Zur Visualisierung kann das Bergsteigermodell herangezogen werden: Auf dem Weg zum Berggipfel klettert der Coachee stets voraus, der Coach klettert nur hinterher und sichert den Coachee. Auf dem Weg zum Gipfel werden vom Coachee immer wieder Basislager errichtet und das bisher Erreichte reflektiert und sich ausgeruht. Nur in Einzelfällen und auf Wunsch des Coachees kann der Coach kurzfristig voran klettern, in dem er oder sie eigene Erfahrungen oder Best Practices teilt, danach ist der Coachee wieder im Lead.
🎯Wann macht ein Coaching Sinn?
Der Coachee selbst bringt ein Entwicklungs- oder Veränderungsziel mit und entscheidet selbst, wie lange er oder sie das Coaching nutzt, um das eigene Ziel zu erreichen. Im Coaching kann es beispielsweise darum gehen, konkrete Lösungswege zur Zielerreichung zu diskutieren und die eigene Entscheidungskompetenz in komplexen Situationen zu verbessern. Neben beruflichen Themen können im Coaching auch private Themen besprochen werden.
Folgende Themen werden laut RAUEN Coaching-Marktanalyse (2024) am häufigsten im Coaching eingebracht:
Die Reflektion der Führungsrolle
Umgang mit Konflikten, Konfliktmanagement
Verbesserung der Führungskompetenzen
Potentialanalyse und -entwicklung
Die eigene Persönlichkeitsentwicklung
Berufliche Neuorientierung
Entscheidungen zur Karriere und beruflichen Zukunft
Work-Life-Balance
Resilienzstärkung
Teamentwicklung
Stressmanagement
🛠️Coaching-Tools und Werkzeuge
Ich packe meinen Koffer und nehme mit …
… alle Coaching-Tools und Werkzeuge, die ich zum “Bergsteigen” in einer Coachingsession brauche. Die passende Haltung/ Mindset haben wir zuvor schon ausführlich besprochen. Folgende Coaching-Tools werdet ihr darüber hinaus benötigen:
Aufmerksamkeit auf den Coachee
Aktives Zuhören = Blickkontakt, nicken, verbale Bestätigung
Paraphrasieren = in eigenen Worten den sachlichen Inhalt des Coachees wiederholen
Verbalisieren = den emotionalen Gehalt des Coachees in Worten ausdrücken
Schlüsselbegriffe = auf relevante Wortwahl und Emotionen des Coachees achten und diese wiederholen
Rapport = miteinander in Beziehung gehen
Fragetechniken für Perspektivwechsel (kennst du z.B. Skalierungsfragen, zirkuläre Fragen, paradoxe Fragen oder die Wunderfrage?)
Pacing = je nach emotionalem Gehalt kann das Gespräch von der Geschwindigkeit durch den Coach gepacet werden
Ausreichend Zeit und Geduld
Ermutigung und Bestätitgung
✅Mein Fazit zum Coaching
Zusammenfassend ist Coaching kein geschützter Begriff in Deutschland, es lohnt sich daher umso mehr, auf anerkannte Institute und Zertifizierungen zu achten. Ziel im Coaching ist immer die Hilfe zur Selbsthilfe des Coachees. Der Coach gibt dabei nur den Rahmen vor, innerhalb dessen der Coachee selbstständig vom Ist-Zustand zum Ziel-Zustand findet.
Wenn du dich noch tiefer zum Thema Coaching einlesen möchtest, schau doch mal hier vorbei:
Kaweh, B. (2011). Das Coaching-Handbuch für Ausbildung und Praxis (3. Auflage).
Deutscher Bundesverband Coaching e.V. Online verfügbar unter: https://www.dbvc.de/standards-fuer/coaching
Rauen, C. (2024). RAUEN Coaching-Marktanalyse 2024. Online verfügbar unter: https://www.rauen.de/cma/